Neuweiler Stephanuskirche

Nagolder Straße 1, 75389 Neuweiler

Mesnerinnen:

Margarete Beck, Telefon: 07055 7358

Bettina Schanz, Telefon : 07055 7386

 

Der älteste Teil der Neuweiler Stephanuskirche ist die alte romanische Wegkapelle, über deren Tonnengewölbe im 12. Jahrhundert der Turm errichtet wurde. Die Zangenlöcher der Ecksteine sind der sicherste Hinweis auf die Datierung des Turmes, der damit so alt ist, wie die im 12. Jahrhundert enstandene Waldhufensiedlung "Neuweiler".

 

Die frühere Südausrichtung der Inneneinrichtung des jüngeren Kirchenschiffes könnte mit der Nutzung der Kirche durch den württembergischen Adel zusammenhängen, der im Neuweiler zugehörigen Hofstett ein kleines Jagdschloss unterhielt.

Von Glocken und Kriegswirren

Ein Symbol der zunehmenden geistlichen Selbstständigkeit ist die 240 kg schwere Vier-Evangelisten-Glocke aus dem Jahre 1456, vom Reutlinger Glockengießer Hans Eger in cis gegossen. Der heute ca. 36 Meter hohe Turm muss in jenen Tagen noch ohne Dach gewesen sein; die Glocke war an einem im Freien befindlichen Glockenstuhl angebracht, was alte Witterungsspuren verraten.

 

1927 wurde das Läutwerk durch Spenden der armen Bevölkerung Hofstetts und Neuweilers vervollständigt: mit der 372 kg schweren Glocke mit der Inschrift "Ich wurde aus freiwilligen Beiträgen der Neuweiler und Hofstetter Bürger gegossen" und der kleineren 172-kg-Glocke "Nach krieg und Not und teiefem Fall ruf ich ins Land mit starkem Schall, nimm Herr, Gott uns in deine Hut, schenk uns des güldnen Friedens Gut". Nach nur 13 Jahren ließ das NS-Regime 1940 die neuen Glocken zu Rüstungszwecken einschmelzen.

 

Die Ersatz-Glocken aus dem Jahre 1949 waren schlechter Qualität, eine ist sogar gesprungen. am 24. Oktober 1969 wurden die heutigen neuen Glocken in Karlsruhe zur Todesstunde Jesu gegossen. Am 9. November 1969 erklangen sie erstmals im Rahmen eines Festgottesdienstes auf dem Neuweiler Kirchturm:

In h (330 kg) und gis (485 kg) ergänzen sie die Vierevangelistenglocke wohlkingend im Te-Deum-Motiv: "Dich Herr loben wir". Fehlt nur doch eine e-Glocke, für die der Platz reserviert ist.

 

Die kleine alte Neuweiler Vierevangelistenglocke läutet als Taufglocke zu Taufen und eine Stunde vor Gottesdienstbeginn. Die Kreuzglocke, die kleinere der neuen Glocken trägt den Schriftzug "Christ ist erstanden" und läutet zum Gebet zur 6. und 9. Stunde (Kreuz-Läuten um 11 Uhr und um 15 Uhr) und jeweils eine halbe Stunde vor dem Gottesdienst. Die große Betglocke trägt die Inschrift "Ehre sei Gott in der Höhe" und ein Weltkugelkreut als Monogramm. Sie läutet zum Vaterunser und um 18 Uhr zum Abendgebet (Sommerzeit 20 Uhr). Alle drei Glocken läuten den Sonntag ein (Samstags um 15 Uhr), direkt vor dem Gottesdienst, zum Jahreswechsel und zur Überführung eines Verstorbenen. Außerdem schlagen die Glocken viertelstündlich, um die Uhrzeit anzusagen.

Neuweiler wird evangelisch

Das Ursula Rebstock-Epitaph

Zwei Drittel des Kirchenschiffs (zum Turm hin) und der gotische Taufstein sind dem 15. Jahrhundert zuzuordnen. Seit 1565 (Pfarrer Georg Silber) hatte Neuweiler dann eine eigene evangelische Pfarrei. Die hölzerne Empore im jüngeren Kirchenschiff trägt an einer der alten Säulen die Jahreszahl 1596 und den Namen des Zimmermanns Hans Roler. Mit Einführung der Reformation wurde großen Wert auf das Hören der Predigt gelegt. Zeitweise galt sogar Gottesdienstpflicht. Dazu waren die bestehenden Kirchen zu klein. Emporen wurden eingebaut, später wurde die Kirche erweitert.

 

1634 fanden Calwer Bürger vor den kaiserlichen Truppen in Neuweiler Versteck, unter Ihnen Johann Valentin Andreä, dem der befreundete Neuweiler Pfarrer Jeremias Rebstock (1627-1635 in Neuweiler) Asyl gewährte. Er musste eines der Kinder Andreäs, den kleinen Ehrenreich auf dem Neuweiler Kirchhof bestatten. Das hölzerne, bemalte Epitaph aus dem Jahr 1631 erinnert an Rebstocks im Jahre 1630 verstorbene erste Frau, die Pfarrerstochter Ursula geb. Kayerleber (*23.6.1605 +27. Juli 1630 kurz nach 8 Uhr). Ihre Ehe war kinderlos geblieben. 1635 wechselte Rebstock nach Strümpfelbach und heirate erneut. Jeremias Rebstock liegt an seiner letzten Wirkungsstätte, dem Kloster Blaubeuren begraben (+1660).

 

Kunstvolle Neugestaltung

Die älteste Orgelrechnung Neuweilers stammt aus dem Jahr 1725.

1893 wurde die Neuweiler Kirche bei einem Brand nur leicht beschädigt. Heute erinnern noch Brandlöcher in der Hauptsäule daran.

Ihre heutige Innenansicht verdankt die Neuweiler' Kirche der grundlegenden Umgestaltung im Jahr 1955/1956. Der alte Altar, ein mächtiger Felsklotz, wie es in alten Kirchenbeschreibungen heißt, galt seither als verschollen. Doch könnte es sich nicht um den großen Felsenquader handeln, der gegnüber des Kirchoftores an der Ecke Kirchweg-Nagolder Straße liegt? Zwei runde Einlassungen könnten wie für Altarkerzen geschaffen sein. Altar, Taufstein und Kanzel wurden von der südlichen Längsseite des Schiffes in den Osten verlegt. Der gotische Taufstein (bis 1955 in der Kirchenmitte) bekam seinen neuen Platz vor dem neuen Tauffenster.

 

Das Chor- und Tauffenster wurden von Wolf-Dieter Kohler künstlerisch gestaltet. Die neue Orgel wurde in den Sakristeianbau integriert. Ein dabei freigelegtes romanisches Weihekreuz wurde von Helmuth Uhrig mit einem Corpus versehen und zum Altarkreuz umgestaltet.

 

Eine Deutung und Erklärund der Kohlerfenster finden Sie hier (pdf 3 MB).

 

1971 wurde auf dem Turm die Turmkugel neu bestückt und der Neuweiler Hahn (gefertigt von Gottfried Weber) um ein geschmiedetes Kreuz erhöht. 1975 wurde das Holzgetäfer an der Wand angebracht. Die kunstvoll aus Wurzelholz herausgearbeiteten Opferstöcke wurden anfangs des 21. Jahrhunderts von Reinhold Kirn entworfen und gefertigt. Aus seiner Hand stammt auch der achteckige Konfirmanden- und Osterkerzenständer.