Connection timed out Der Neuweiler Kirchhof : Evangelische Kirchengemeinde Neuweiler

Der Neuweiler Kirchhof

Die Kirchhofumfriedung und die Mär von der Wehrkirche

Die Neuweiler Kirchhofumfriedung stammt aus dem Jahr 1822 und hatte nur einen Zweck: Friedhofsmauer zu sein. Oftmals wurde gesagt oder geschrieben, sie sei ein eine alte Wehrmauer. Sie hat aber weder Haltezapfen noch Einschublöcher für einen Wehrgang. Auch wäre die sich nach oben hin verjüngende Mauer statisch nicht dazu in der Lage, einen Wehrgang zu halten. Nur der südliche Mauerteil wirkt breit genug für eine Wehrmauer. Jedoch ist die von Süden her sichtbare ältere, wenig wehrhaft wirkende Mauer im unteren Teil wohl erst im 19. Jahrhundert durch eine vorgesetzte jüngere Mauer stabilisiert worden und dadurch recht breit geworden. 

 

Übrigens sind die aus dem 12. Jahrhundert stammenden Schnee- und Wetterscharten am Kirchturm keineswegs Schießscharten. Sie dienten in einer fensterlosen Zeit dazu, Licht herein aber das Wetter draußen zu lassen. Auch gab es im 12. Jahrhundert noch keine Gewehre. Der Ritterromantik entlehnte Bogenschützen hingegen wären auf dem damals flachen Kirchturm ganz oben am besten aufgehoben gewesen.

 

Die Mär einer Neuweiler Wehrkirche ist wohl aus einem nationalistischen Denken in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erwachsen, das nach Legitimation zum Kriegführen suchte. Eine friedliebende Kirche wäre hier im Weg gewesen, eine Wehrkirche dagegen ein passendes Bild.

Für die These der Wehrkirche wurde in der Vergangenheit eine Jahreszahl in der Kirchhofmauer in Höhe der alten Linde vorgebracht: 1641 - reichlich spät für eine Wehrkirche aus dem 12. Jahrhundert. Es handelt sich dabei um einen wohl im Jahre 1822 mit eingemauerten, umgedrehten alten Türsturz. Auf den Kopf gedreht verwandelt sich die wagemutig herausgelesene Jahreszahl 1641 in ein eindeutig erkennbares 1792. Das Steinmetzmonogramm aus einem „t“ und einem „h“ findet sich so herum richtig hingedreht auch zweimal auf einem Urnengrabstein aus der selben Zeit auf dem Kirchhof.

Grabstein der Pfarrfamilie Scholderer

Der östlichste Grabstein im Neuweiler Kirchhof (der unterste oder erste von links) ist der gemeinsame Grabstein von Pfarrer Johann Immanuel Scholderer (1755-1761 in Neuweiler) und seiner Frau Christina Magdalena, die im Abstand von nur gut 2 Monaten im 37. bzw. 32. Lebensjahr starben. Sie hatten erst kurz vor ihrem Start in Neuweiler am 4. Februar 1755 in Sulz am Neckar geheiratet.

 

Johann Immanuel Scholderer wurde am 14. Juni 1725 in Degerloch geboren, seine Frau Christina am 22. Februar 1730 in Kemnat. Von ihren vier in Neuweiler geboren Kindern sind drei Namen überliefert: Christina Margaretha Scholderer (*10.11.1755), Catharina Friedericke (*20. Juni 1758) und David Immanuel (24.6.1760-31.8.1822 in Aich). Ihr zweites Kind starb namenlos 1757 während oder bald nach der Geburt. Die drei Kinder waren also zwischen einem und sechs Jahren alt, als ihre Eltern starben.

 

Leider ist die Schrift ihres Grabsteines in den Zeilen 17-19 wie in der drittletzten Zeile stark verwittert. Daher könnten sich neben den offenen Stellen kleine Lesefehler eingeschlichen haben.

 

Der Stein spricht von Johann Immanuel Scholderers siebenjährigen Wirken als ein "wahrhaftig Zeugnis eines Seelsorgers der Gemeine zu Neuweiler":

 

In Dieser Erde
Ruhen Die Gebeine
Beider in Gnaden Lebendig
und im Todsein=Beinaner Seelen
DOM. Johann Immanuel Scholderer
wahrhaftig Zeugnis eines Seelsorgers
Der Gemeine zu Neuweiler
Und seine Ehlichen Haus Frau
en Christina Magdalena
Sie sind in ihrem ein=schlaffen

Jener
T: 8.Dec. 1761. in Dem 7. Jahr seiner Arbe[it]
und in dem 37. seines Lebens
Diese
T: 17. Feb. 1762 in Dem 32. Jahr ihres Lebens.
Sie hatten 1. Johannis 1 im V 2 Jeden ihr Namen im Himmel
Sie [taten] gottlich Dienst [der] Kirchengemeinde.

von Ihrer Liebe Menschen gibt [... ... ...]

J[esus?] im Leide und Weinen in Freude

aber auch
wegen Ihnen ist zu fragen Todesasch Schmertzen.
Die Frucht seiner Lehre waren Zudem sitsam und
wird Ihr [Lohn sein im] ewigen
und Dieser sind Leidens Los
Psalm 49 V:15.16 . 2.Cor 4 . 17.18. u. 5 . 17

 


--------------------Info:------------------

1. Johannes 1,2:
Und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das Leben, das ewig ist, das beim Vater war und uns erschienen ist.

Psalm 49,15.16:
Sie liegen bei den Toten wie Schafe, der Tod weidet sie; aber die Frommen werden gar bald über sie herrschen, und ihr Trotz muss vergehen; bei den Toten müssen sie bleiben. Aber Gott wird mich erlösen aus des Todes Gewalt; denn er nimmt mich auf.

2. Korinther 4,17.18:
Denn unsre Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit, uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.

2. Korinther 5,17:
Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.

Das Kindergrab von Johann Heinrich Fellner

Als der 1728 in Honau geborene Pfarrer Johannes Fellner und seine Frau Maria Magdalene 1767 mit einer vierspännigen Kutsche und gleich drei Umzugswagen aus Marschalkenzimmern (Sulz am Neckar) in Neuweiler aufzogen, war der Schreck groß: Das aus dem Jahr 1564 stammende Pfarrhaus war viel zu klein, baufällig und unbewohnbar. Zudem starb noch im selben Jahr ihr gerade erst geborenes Kind. Als die Pfarrfamilie zwei Jahre später endlich aus einem Provisorium in das vergrößerte und erneuerte Pfarrhaus einzog, ließen sie auf ihrem Türsturz trotz aller gespürten und erlittenen Verzweiflung ein Herz einmeißeln, die Liebe, die ihnen Gott trotz aller Widerwärtigkeit ins Herz gelegt hatte.
Der fleißige aber kränkliche Johannes Fellner starb 1772 in Neuweiler. Er wurde wie schon sein als Säugling verstorbener Sohn Johann Heinrich auf dem Kirchhof bestattet. Von dem Kindergrab ist noch der Grabstein erhalten. (Auf dem Neuweiler Kirchhof der zweite Grabstein von unten):

HIERUHET EINSAM KORP.
VOR    IN    EWIGKEIT
IOHANN   HEINRICH
OHNE ALTER KIND
IOH FELLNER PFARRER ALHIER
UND
MARTINA MAGDALENA
E*G* VORM: RIMEIERIN
ES WURDE EINGEWEIHT
AO 1768 DEN 20 IAN

MEMENTO MORI

Der Grabstein mit dem geflügelten Engelkopf

Hier
schlumert
Georg Philipp
Keppler
geb: in Agenbach d: 2. Dec.
1775: verehelicht mit
Christina Barbara
vorm: Rotfelden
am 2. Feb: 1801 gest:
am 14. März 1830

Christina Barbara war eine geborene Dürr. Georg Philipp Keppler lebte in siebter von acht Generationen im späteren Agenbacher Forsthaus (heute Familie Mahle) in einem der vergleichsweise wohlhabenderen Lehenshäuser. Wenige Jahre vor ihrer Hochzeit standen auf Kepplers Hof vier Pferde, vier Ochsen und acht Kühe im Stall. Im Keller lagerten 12.000 [!] Liter Wein für das Wirtshaus (Lamm). Kepplers Familie geht zurück auf den Astronom Johannes Kepler aus Weil der Stadt.

 

Georg Philipps und Christina Barbaras Sohn Philipp Friedrich und dessen Söhne Philipp Friedrich und Johann Friedrich die vor, bzw. nur kurz nach ihrem Vater starben sind auch auf dem Neuweiler Kirchhof bestattet worden (freistehendes Urnengrab unten).

 

Lit.: Festschrift 535 Jahre Agenbach (1987)

Sie wundern sich vielleicht, wie man die Inschriften auf den Steinen überhaupt noch lesen kann. Wo es das Auge auf den ersten Blick nicht mehr erlaubt, helfen stabile Aluminiumfolie und Wurzelbürste. Den Aluminiumabdruck können Sie dann beliebig ins Licht halten. So werden die schon für immer verloren geglaubten Buchstaben wieder zum Leben erweckt.

Der Grabstein mit fliegendem Engel und Urne

Hier schlummert bis

zu jenam grossen End

teteige

Wilhelmine Friederike

Catherine Votteler,

Tochter des Stadtpfarrer

[.]eidhard in Gengen. geb.

d: 17 Oct. 1774 verehelicht mit

Pfarrer Votteler

Wh:d: 13. Februar: 1808. gest: d:7.Ap:1825

Sanfte Ruhe sey mit der

Asche der stillen Seel Den

...

Der freistehende Doppelgrabstein mit Kreuz

Besonders interessant erscheint der freistehende Doppelgrabstein mit aufgesetztem Steinkreuz, da drei verschiedene Materialien verwendet wurden. Ein näherer Blick verrät, dass der untere Buntsandsteinquader mit Schreibschriftgravur älter ist als der aufgesetzte farblose Sandstein mit Frakturschrift. Auf dem aufgesetzten Buntsandsteinkreuz steht in Frakturschrift eingemeißelt:
Hier ruht
eine geliebte Schwester.

Der darunterliegende Quader verrät, es handelt sich um:
R.M. Manlen
geb: Claß
geb:in Ulm den 11 Febr:1810
gest:in Hofstett den 5 Jan:1867

Der darunterliegende Buntsandsteinquader gehört zum Urnengrab von
Philipp Friedrich Keppler und seinen Kindern. Philipp Friedrichs Vater liegt auch auf dem Neuweiler Kirchhof begraben (Grabstein mit geflügeltem Engelkopf).

Ostseite:
Hier Ruht
Philipp Fried=
rich Keppler:
geb in Agenbach
1. Sept. 1810 † 15.
Nov. 1834

Nordseite:
Friede sei
seiner Asche
[Monogramm des Steinmetzes aus "t" und "h"]

Westseite:
und
dessen Kinder
Philipp Friedrich
21.Mai †: 1833
Johan Friedrich
g: 6. Febr 1835

[Monogramm des Steinmetzes aus "t" und "h"]

Südseite:
Denkmal der Liebe
von seiner Gattin
Maria Barbara.u.
seiner II. Mutter Chri=
stina Barbara

Kepplerin

Das eherne Kreuz

Das eherne Kreuz auf dem Neuweiler Kirchhof erinnert an
Chr. Stroh
geb. d. 24. Februar 1821.  gest. d. 21. Sept. 1876.
Hiob 19,25.
Kol. 5,3.4


Info:

Hiob 19,25:
Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben.


Kol. 3,3.4:
Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott. Wenn aber Christus, euer Leben, sich offenbaren wird, dann werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in Herrlichkeit.

Die Grabplatte am Kirchenschiff

Der aus Reutlingen stammende und 1841 in Neuweiler verstorbene Pfarrer Georg Friedrich Votteler war von 1820 bis 1841 21 Jahre lang Seelsorger in Neuweiler gewesen. Neben der Verkündigung des Evangeliums und der Seelsorge setzte Votteler sich hier für den Streuobstanbau ein und war maßgeblicher Impulsgeber für die Errichtung neuer Schulhäuser in Neuweiler und Agenbach. Hinzu kam sein über Neuweiler hinausgehendes Engagement zur Beendigung der Waldweidewirtschaft zugunsten der Stallfütterung. Für Votteler wurde an der Südseite des Neuweiler Kirchenschiffes eine Grab-Gedenkplatte eingelassen:

 

AUS LIEBE
HIER RUHET SANFT
IM SCHOSSE DER KÜHLEN ERD.
JOHANN GEORG VOTTELER
GEW: PFARRER DAHIER WEL
CHER 21.JAHRE SEINER
GEMEINDE ALS SEELSORGER
STETS MIT LIEBE UND WO
HLWOLLEN ERGEBEDT WAR
GEBOREN DEN 19.SEPT:1782
GESTORBEN DEB 15.OCT:1841
__________________________
DENKSPRÜCHE
DIE LIEBE HÖRET NIMMER AUF
1. CORINTHER 13-8
DIESES DENKMAL WEIHET
DEM SELIG ENTSCHLAFENEN
DIE HINTERLASSENE WITWE
AUGUSTE GEB. SCHWARZ
MIT IHREN 2.KINDER AMA= 
DEU: ADOLPH DEINEM VORRANG:
EDUARD OTTILIEN HERMAN.